Liebe Bürgerinnen und Bürger,
steter Tropfen höhlt den Stein – so jedenfalls wird der Bürgermeister gedacht haben, als wir uns im Planungsausschuss am 24.01.2007 einen Vortrag, den er schon schriftlich vorgelegt hatte, auch noch eine Stunde lang zusätzlich anhören mussten. Alle Ausschussmitglieder und auch die vielen Zuhörer haben das "über sich ergehen lassen". Keiner hat dazu etwas gesagt. Warum auch?
Es ging um ein von der Kreissparkasse Köln (KSK) bestelltes und von der KSK bezahltes Gutachten mit der Überschrift: „Wohnungsmarktanalyse für den Rhein-Sieg-Kreis“. Bezogen auf die Bundesstadt Bonn mit 313.000 Einwohnern und die angrenzenden Städte mag das, was da vorgetragen wurde, ja noch einigermaßen plausibel und vielleicht auch noch nachvollziehbar sein. Aber die für die großen Städte vermuteten Auswirkungen mit denen der kleinen Berggemeinden gleichzusetzen, das war mehr als nur gewagt. Für mich persönlich grenzte das an „Kaffeesatzleserei“, was der Gutachter unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft verpackt für Neunkirchen-Seelscheid (21.000 Einwohner) schlussfolgerte: mehr Wohnbauflächen sind hier seines Erachtens brotnötig. Und da dies der Bürgermeister auch durchsetzen möchte, durfte der Gutachter so langatmig vortragen. Keine Rolle spielte, dass etliche neue Wohnbauflächen vom Bürgermeister und seiner CDU schon in den letzten Jahren durchgesetzt wurden. Insbesondere rings um Wolperath hat er die Eigentümer von ehemaligen Feld-, Wald- und Wiesengrundstücken schon "beglückt".
Seit September 2004 gibt es aber für ihn keine absolute CDU-Mehrheit mehr, also muss er, um seine Wünsche durchsetzen zu können, andere Parteien mit in sein Boot holen. Hierfür hat er nun mit Hilfe des Gutachters kräftig die Werbetrommel geschlagen.
Was die KSK will, das liegt auf der Hand: Die KSK will Baudarlehen verkaufen und zusätzlich auch mit ihren Wohnungsbautöchtern Geld verdienen. Das ist auch ganz sicher nichts Fieses. Aber die Kernfrage muss aus unserer Sicht lauten: „Braucht unsere Gemeinde noch mehr Flächen, als bisher schon für Wohnbauzwecke freigegeben sind?“ Und dazu lautet unsere eindeutige Antwort:: „Nein!“
Die Stadt Lohmar denkt in der Frage von Baulandentwicklungen ganz offensichtlich ähnlich wie die SPD Neunkirchen-Seelscheid und wurde vom Gutachter deshalb auch deutlich kritisiert. Wir wollen für Neunkirchen-Seelscheid aus all den Gründen, die wir immer wieder gebetsmühlenartig deutlich gemacht haben, keine weiteren Wohngebietsausweisungen. Wir wollen Neunkirchen-Seelscheid behutsam weiter entwickeln. Aus unserer Sicht darf das "gemeindlich-bergische Flair" nicht verloren gehen. Wir wollen allerdings im Gegensatz zur CDU mehr Gewerbegebiete ausweisen, um damit - neben den Gewerbesteuereinahmen - auch mehr Arbeitsplätze vor Ort sichern zu können. Aber dazu war in diesem Gutachten so gut wie nichts zu finden. Zusammengefasst bedeutet das: Das KSK-Gutachten soll Herrn Meng helfen, Neunkirchen-Seelscheid - was die Einwohnerzahl angeht - aufzuplustern und zur Stadt zu machen.
Aber die SPD wird da nicht mitmachen.
Alle, die sich noch mehr Bauland wünschen, sollten mal im Internet nach Grundstücks- und Hausangeboten aus Neunkirchen-Seelscheid googeln oder in den Immobilienteil der örtlichen Zeitungen schauen. Sie werden dann erstaunt feststellen müssen, wie viele Angebote dort zu finden sind.
Wichtig zu wissen ist auch, dass die meisten der von der CDU-Ratsmehrheit mit viel Tamtam neu ausgewiesenen Baugrundstücke bislang noch nicht auf dem Grundstücksmarkt aufgetaucht sind. Insgesamt – so hat der Stadtanzeiger vor kurzem ermittelt - sind 675.000 qm Bauland in Neunkirchen-Seelscheid noch „nicht besiedelt“. Und zusätzlich gibt es auch noch eine Vielzahl von Baulücken in den Ortslagen (mind. 30.000 qm), die alle noch bebaut werden können. Sobald das geschieht, wächst unsere Gemeinde erneut kräftig weiter.
Fragen Sie sich jetzt auch – welchen Grund es geben könnte, weitere Wohngebiete auszuweisen?
Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende
Ihr Peter Schmitz - SPD-Fraktionsvorsitzender