Zugegeben: Die Frage, ob wir unser Abwasser durch defekte Kanäle schicken dürfen, ob nicht für Altbaubesitzer Gleiches gilt wie für Neubauherren, muss irgendwann beantwortet werden. Genau deshalb geistert seit Wochen durch alle Informationskanäle ein Wort, dessen ökologischen Inhalt nicht jeder unmittelbar versteht: „Dichtheitsprüfung“.
Obwohl in vielen technischen Branchen bekannt, wurde jüngst am Niederrhein unter der Dichtheitsprüfung eine Art psychologischer Test verstanden, quasi Neudeutsch für den von Autofahrern gefürchteten „Idiotentest“ („Bisse noch janz dicht?“).
Stutzig wurden auch Sprachverständige, die nach dem Unterschied zwischen Dichtheitsprüfung und Dichtigkeitsprüfung fragten. Dichtheit – wurde schon gemunkelt – würde das schlammige Geschäft etwas adeln. Dichtheit hat etwas von Hoheit; Dichtigkeit klingt eher wie Kleinigkeit – die es ja nicht ist, finanziell schon gar nicht. Und auch die „Lecksuche“, die ja das eigentliche Ziel der Untersuchung ist, kommt bei Abwasserkanälen schon rein geschmacklich nicht an die Dichtheitsprüfung ran. Zumal auch Europa im Spiel sein soll, wurden verschiedene Branchen aufgeschreckt.
Wie von der international renommierten Interpack, der Weltmesse für Verpackungen, bekannt wurde: Insbesondere Windel-Hersteller befürchteten Preissteigerungen durch neue Dichtheitsprüfungen.
Komisch, dass vielen ausgerechnet jetzt die neue Boy-Group der FDP einfällt. Warum nur? Tatsächlich würde das Thema nicht solchen Wirbel verursachen, wäre nicht die FDP im Landtag dabei, dem Protest die parlamentarische Bühne zu bieten.
Statt um Dichtheit geht es ihr aber offenbar um Dichtung. Natürlich im Verbund mit der CDU versuchen die Oppositionellen gemeinsam, den Eindruck zu erwecken, sie hätten mit diesem Musterbeispiel für Wutbürger nichts zu tun.
Dabei waren es just diese beiden, die in der vergangenen Wahlperiode die Regelung zur Prüfpflicht von Kanälen aus der Landesbauordnung übernommen und in die Novellierung des Landeswassergesetzes eingefügt haben.
Doch frei nach der Devise, was einen (FDP-)Politiker sein Geschwätz von gestern angehe, geht es dort eher nach dem Muster: „Wir ham den Kanal noch lange nicht voll…“
Geschwätzigkeit und Menge sind auf unserer Seite – was wollen wir weiter? darf in Anlehnung an Lichtenberg resümiert werden…
Mit freundlicher Genehmigung "DIE KOMMUNALE", Jahrgang 8, Ausgabe 3, 2011