Historisches Datum 20. Oktober 1891: Die SPD verabschiedet das Erfurter Programm

Veröffentlicht am 20.10.2016 in Allgemein

Auf ihrem Erfurter Parteitag verabschiedete die SPD einstimmig ein neues Grundsatzprogramm, das international Resonanz findet. Das Programm war ein Gemeinschaftswerk von Karl Kautsky (1854-1938) und Eduard Bernstein (1850-1932). Im ersten theoretischen Teil tritt es in Anlehnung an die Ideen von Karl Marx für die Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise ein. Im zweiten praktischen Teil forderte es u.a.: allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für Männer und Frauen, direkte Gesetzgebung durch das Volk, Volkswehr statt stehender Heere, die Garantierung des Rechts auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungs-freiheit, die Abschaffung aller Gesetze, die zur Benachteiligung der Frau beitrugen, Erklärung der Religion  zur Privatsache, Weltlichkeit der Schule, Unentgeltlichkeit von Unterricht und Lernmitteln, der ärztlichen Behandlung und der Rechtspflege, Richterwahl durch das Volk, Abschaffung der Todesstrafe und eine Reform des Steuerrechts.

Speziell zum Schutz der Arbeitnehmer wurde gefordert: die gesetzliche Einführung des Acht-Stunden-Tages, das Verbot der Erwerbsarbeit für Kinder, ein weitgehendes Verbot der Nacht-arbeit, garantierte Mindestruhepausen, die rechtliche Gleich-stellung der landwirtschaftlichen Arbeiter und Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitnehmern und die Sicherstellung des Koalitionsrechts für Arbeiter.

Ein Jahr zuvor war das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, das sogenannte Sozialisten-gesetz, außer Kraft gesetzt worden, das sozialistische und sozialdemokratische Organisationen im Deutschen Reich verboten hatte. Für die Sozialdemokratische Partei blieb das in Erfurt beschlossene Programm für Jahrzehnte das Instrument zur Beurteilung der ökonomischen und gesellschaftlichen Lage im Industriekapitalismus.

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