Die Schulküche im Bürgerhaus in Neunkirchen - ein Treppenwitz ohne Sinn und Verstand

Veröffentlicht am 22.03.2008 in Kommunalpolitik

Peter Schmitz

Zur Erinnerung, aber insbesondere damit wir nicht wieder falsch wiedergegeben werden: Die SPD hat sich von Anfang an für eine vernünftige Verpflegung unserer Schulkinder in hierfür geeigneten und ausreichend großen Schulräumen mit allen erforderlichen Nebenräumen ausgesprochen und dabei bleiben wir auch.

Aber alles das, was unter dem Ticket „Schulverpflegung“ hier in Neunkirchen seit geraumer Zeit läuft, hat damit nun wirklich gar nichts mehr zu tun. Das was hier jetzt passiert, halten wir für einen absoluten Treppenwitz ohne Sinn und Verstand.

Der Bürgermeister, sein Beigeordneter, seine CDU und die FDP haben sich mit ihrer Riesenküche in eine absolute Sackgasse manövriert. Diese unsinnige Investitionsorgie, dieses absolut unnötige, überteuerte Neunkirchener Veranstaltungszentrum haben wir von Anfang an kritisiert.

Dieser Prachtbau ist für eine notwendige, vernünftige Schulverpflegung viel zu groß und total falsch und maßlos überteuert geplant. Dieses Bürgerhaus wird von Quartal zu Quartal immer teurer. Alleine nur die Kücheneinrichtung soll jetzt weit über 500.000 € kosten. In diesem Preis sind die eigentlichen Baukosten, die Unterhaltungs- und die Betriebskosten noch nicht einmal mit drin.

Der jetzt ausgesuchte Küchenbetreiber bekommt die Küche kostenlos zur freien Verfügung gestellt. Doch damit nicht genug; zukünftig darf dann die Gemeinde auch noch für alle anfallenden Reparaturen, Sanierungen und Erneuerungen selbst aufkommen.

Sie erinnern sich sicherlich: CDU und FDP haben unisono immer wieder unverrückbar beschworen, dass ein Caterer nie und nimmer beauftragt werden dürfe, aber das Essen dürfe maximal 2,60 € kosten! Und wie hart haben die beiden Parteien verbal auf der SPD herumgeprügelt, um ein Catering unmöglich zu machen. Und - wer wird jetzt beauftragt? – Na wer schon? – ein Caterer!

Zu allem Überfluss hatte sich der Bürgermeister sogar eine Lustreise nach Kassel einfallen lassen, um den 180°-Schwenk hin zu einem Caterer-Essen möglichst geräuschlos genehmigt zu bekommen. Dorthin sollten wir alle zusammen einen Tag lang reisen, um von den Hessen zu erfahren, wie man unsere Schulkinder auch mit BIO-Catering satt machen kann.

Das Pikante an dieser Sache ist aber, dass der von der Verwaltung ausgesuchte Caterer seit Jahren nur wenige Kilometer von Neunkirchen entfernt in einer eigenen Küche brutzelt. Diese Betriebsküche in Rösrath braucht natürlich nicht besichtigt zu werden, denn sie ist selbstverständlich für die Neunkirchener Kinder nicht gut genug. Und da man seit geraumer Zeit schon eine eigene Küche im Bürgerhaus Neunkirchen plant und baut, muss jetzt dieser Rösrather Caterer - ob er will oder nicht - in Neunkirchen eine Zweigstelle eröffnen. Dort muss er vertraglich geregelt 10 Jahre lang kochen und braten.

Jetzt darf das Essen plötzlich 3 € kosten; und der Schüler, der ein besseres Essen wünscht, der soll das auch bekommen - allerdings nur gegen Bares. Und damit sich das nicht so krass anhört, spricht man jetzt von einem vom Schüler zu entrichtenden „Obolus“. Von einem Free-Flow-Table mit hohem Anteil an Frischekomponenten ist da die Rede. Und damit dieses Free-Flow-Table dann auch vor Ort bezahlt werden kann, braucht man sicherlich auch noch zusätzlich eine Barkasse mit entsprechendem Personal. Toll!! Eine unglaublich kindgerechte und kinderfreundliche Planung.

Unabhängig von der Tatsache, dass sich so etwas ganz sicher nur wenige Familien leisten können, stellt sich offensichtlich nur die SPD die naheliegende Frage: welches Kind wird für ein wie auch immer zubereitetes anderes Essen zusätzliches Geld ausgeben?

Dass die SPD gegen diese Schnapsidee ist, wird sicherlich nicht nur die CDU und die FDP verwundern. Mit dieser gemeinnützigen Firma wird nun – aufgrund einer abenteuerlichen Rechnung - ein 10-Jahresvertrag abgeschlossen, weil sich die CDU und FDP schon jetzt absolut sicher sind, dass das Essen von diesem Caterer den Kindern auch mindestens 10 Jahre lang schmecken wird.

Aber da auch die Schulkinder aus dem AK, aus Wolperath und aus den beiden Seelscheider Schulen zu Mittag essen wollen, bekommen die natürlich alles das, was für die die Schüler von Neunkirchen nicht richtig und nicht gut genug ist – die bekommen ein in Thermobehältern angeliefertes Mittagessen aus Neunkirchen. Oder anders ausgedrückt – die erhalten das übliche Caterer-Essen ohne Free-Flow-Table - Toll!

Übrigens – unser zukünftiger Caterer wirbt auf seiner Internetseite mit folgender Aussage: Zitat: "Alle Mahlzeiten werden in speziellen Thermobehältern heiß mit hoher Kerntemperatur angeliefert. Eine Aufbereitung im Heißluftherd oder Backofen ist bei unseren Mahlzeiten nicht mehr notwendig." Zitatende – Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Lieber Bürgermeister,
lieber CDU-Beigeordneter,
liebe CDU-Mitglieder,
liebe FDP-Mitglieder,

das – was Sie da mit Ihrer unglaublich teuren Küche im wahrsten Sinn des Wortes angerichtet haben – das haben leider unsere Schulkinder in den nächsten 10 Jahren auszulöffeln! Aber die müssen nicht nur dieses Caterer-Essen schlucken, sondern nach ihrer Schulzeit auch noch für die von Ihnen zu vertretenden Schulden aufkommen.

Dass das die SPD-Fraktion nicht mitmacht, das brauche ich ganz sicher nicht erneut zu betonen.

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